Studienseminar Neuss: Profil
Die Lehrerausbildung in Nordrhein-Westfalen umfasst zwei Stufen. Die
erste Stufe besteht aus einem Studium in zwei an der Schule
unterrichteten Fächern. Das Studium findet in der Regel an einer
Gesamthochschule / Universität statt. Länge und Inhalte des Studiums
hängt auch davon ab, in welcher Schulart später unterrichtet werden
soll.
Nach dem Bestehen ihrer ersten Staatsprüfung bewerben sich die
Studenten für die zweite Phase ihrer Ausbildung an einem der 56
Studienseminare des Landes. Im Studienseminar Neuss können sich die
Referendare für den Unterricht sowohl in den Klassen 1 bis 4 aös auch
in den Klassen 5 bis 13 ausbilden lassen.
Ausbildung ist sowohl Aufgabe der Schule, wo sowohl die Fachlehrer als
auch Seminarausbilder Stunden der Referendarinnen und Referendaren
begleiten und sie beraten. Die Ausbildung ist auch Aufgabe des
Studienseminars, indem die Seminarausbilder die Referendare im
Unterricht besuchen und ebenfalls beraten. Darüber hinaus finden am
Seminar Fachseminar in jeweils den beiden Fächern sowie Hauptseminare
statt, die allgemeine Bildungs- und didaktische Fragen bearbeiten.
Das für die Lehrerausbildung formulierte Seminarrahmenkonzept enthält
u.a. zwei wesentliche Strukturelemente.
- Es stellt sich die Ausbildung von Lehrerinnen und Lehrern in
sechs "Kompetenzbereichen" (Lehrerfunktionen) vor. Neben dem
"Unterrichten" sind dies "Erziehung", "Beurteilen", "Beraten",
"Verwalten/Organisieren" und "Innovieren".
- Die Referendarinnen und Referendare, die an Schule und
Universität bereits eine längere "Lernbiografie" bewältigt haben,
kommen als Erwachsene in das Studienseminar.
Diese beiden Eckpfeiler (Referendare als Subjekte ihrer eigenen
Ausbildung, als "erwachsene Lerner" und die systematische Entwicklung
der sechs Kompetenzbereiche) bilden den Rahmen der Ausbildung.
In der Arbeit vor allem mit den Praxiserfahrungen der Referendarinnen
und Referendare zeigt sich deren curriculare
Selbstbestimmung. Wenn es darum „geht, den Lernenden in seinen
individuellen Lern- und Entwicklungsprozessen ernst zu nehmen, zu
fördern und zu begleiten“, dann muss der Referendar seinen gewichtigen
Anteil an der Festlegung von Inhalten und Prozessen haben. Der Vorteil
für eine an erwachsenenpädagogischen Gesichtspunkten ausgerichteten
Ausbildung besteht darin, dass sie zu einer erstrebenswert hohen
Transparenz veranlassen kann. Wenn Erwachsene miteinander sowohl
Themen, als auch Methoden und Prozesse verhandeln, sich gemeinsam über
die zurückgelegten Wege vergewissern, dann müssen sich zwangsläufig
alle ihrer Verantwortung für die eigenen Lernprozesse bewusst werden.
Beispiele möglicher Konsequenzen für die Ausbildungsarbeit:
- Gemeinsame, an den Interessen und Bedürfnissen aller an der
Ausbildung Beteiligten orientierten Festlegungen von Gegenständen,
Inhalten, Themen und Methoden. (z.B. Festlegung von Themenabfolgen mit
Hilfe von Kartenabfragen, Vertiefung von Aspekten aus den
Stundennachbesprechung durch Simulationen und isolierte Übungen).
- Bevorzugung solcher Methoden, die mit und an erlebter Praxis
arbeiten und diese auf wissenschaftliche Positionen (z.b.
Entwicklungspsychologie, Lernpsychologie, Fachwissenschaft)
zurückbeziehen können.
- Stärkung von Arbeitsformen, die alle am Ausbildungsprozess
Beteiligten in ihrem Recht auf Selbstverantwortung für eigene
Lernprozesse belässt (Projektorientierung, längerfristige
Gruppenarbeiten, von Referendarinnen und Referendaren inhaltlich und
methodisch vorbereitete Kompaktveranstaltungen).
- (Nicht nur, aber auch) an der Brauchbarkeit für den schulischen
Alltag orientierter Austausch über Inhalte, Methoden und Prozesse sowie
deren kritische Wertung und Würdigung für den Prozess der
Ausbildung. (z.B. durch Einsatz verschiedener Rückmeldungsmethoden).
Die Ausbildung der sechs Kompetenzbereiche stellt das
Seminarrahmenkonzept als eine Art Prozessmodell vor, bei dem zunächst
verstärkt die Entwicklung der Fähigkeit zum Unterrichten im Blick ist
und die Begleitung der anderen Funktionen sich anschließt.
Die zweijährige Ausbildung wird abgeschlossen mit einer zweiten
Staatsprüfung, von deren Ergebnis die Einstellung in den Schuldienst
des Landes Nordrhein-Westfalen wesentlich mit bestimmt wird.
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Stand 2001 - zim