
Die Ausbildung von zukünftigen Lehrkräften enthält automatisch auch Komponenten der Lehrerfortbildung für die betreuenden Lehrkräfte. Diesen Zusammenhang hat das Studienseminar Neuss seit 2002 im Fach Mathematik bewusst thematisiert, siehe Mathe-Markt 2002 und Mathe-Markt 2004. Am Ende der Ausbildung stellen die Lehramtsanwärterinnen und Lehramtsanwärter ihren Ausbildungslehrern sowie anderen Referendaren und Lehrern ihres Ausbildungsbezirks in einem 'Mathe-Markt' einige Highlights ihrer zweijährigen Tätigkeit in Vorträgen, Postern oder Experimenten vor. Dabei konzentrieren sie dies auf gelungene Projekte, gute Ideen und aktuelle fachdidaktische Themen, die sie während der Ausbildung oder im Examen mit viel Mühe und Aufwand entwickelt haben.
In Vorträgen, Postern und Ständen ging es um mathematische Experimente, selbsterstellte Spiele, das Arbeiten mit beweglichen geometrischen Modellen, Flächenberechnungen, die Einführung in die Differenzialrechnung, die Herleitung von Ableitungsregeln und vieles mehr. Der Computer wurde dabei als modernes mathematisches Werkzeug in diversen Themenbereichen der Sekundarstufe I und II überzeugend und fruchtbringend eingesetzt. Das Arbeiten mit (alten und neuen) Medien hat im Studienseminar Neuss einen hohen Stellenwert, dies zeigte sich nun auch in den hier vorgestellten Produkten der Ausbildung. Die angestrebte Schülerorientierung und ihre Umsetzung durch entsprechende Methoden konnten die Besucher durch die gewählte methodische Form des Mathe-Marktes durch Ausprobieren der Materialien und Selbermachen hautnah nachvollziehen.
Die folgenden Themen wurden im Januar 2006 präsentiert:
Mathematik in Anwendungen - Referenten: van den Driesch, Nübold, Schmitz, Schulte
Steigung einer Treppe (Jahrgangsstufe 11)
Rettungsstation (Jahrgangsstufe 11)
Seilbahn (Jahrgangsstufe 12)
Fahrerflucht in Norf (Jahrgangsstufe 12)
Der Mathe-Instinkt (Jahrgangsstufe 12)
Stationenlernen Stochastik (Jahrgangsstufen 7/8) - Referenten: Gründken, Köhler, Nieren
Computerprogramme als Hilfsmittel im Unterricht: DGS Euklid DynaGeo und Cinderella, CAS Derive und Maple (diverse Jahrgangsstufen) Referenten: Franzen, Maasackers, Mendel, Simons
Mathematisches Allerlei - Referenten: Nübold, van den Driesch, Schmitz, Schulte
Freiarbeit: Geometrische Körper (Jahrgangsstufen 5/6)
Beweis zum Innenwinkelsatz (Jahrgangsstufe 7)
Einführung der Binomischen Formel (Jahrgangsstufe 8)
Memory zu Potenzfunktionen (Jahrgangsstufe 10)
Traditionell wurde der Mathe-Markt durch eine Kerngruppe vorbereitet. Anfang Dezember, nach Ende der Prüfungsphase, gab es ein Wochenende in einem kleinen Tagungshaus, in dem die Referendare/innen Themen aus ihrer Ausbildung aufarbeiteten und zusammen stellten.
Im alten Spukhaus und im Haus 'Kein Moselblick' in Beilstein / Mosel wurden erste Ideen gesammelt und zusammen ein Rohprogramm erstellt. Einzelne Lehramtswärter/innen übernahmen eigenverantwortlich die weitere Ausführung der Programmteile.
Wichtige Anregungen holte sich die Vorbereitungsgruppe auch in der Natur, beim Wandern, der Stadtführung und der traditionellen Weinprobe.
Der Mathe-Markt zählte viele Besucher aus dem gesamten Bezirk. Ausbilder und Lehramtsanwärter aus anderen Studienseminaren äußerten die Idee, ähnliche Vorhaben in ihren eigenen Seminaren zu realisieren.
Der Euklid DynaGeo- Stand
Die Mathe-Markt-Leute 2006 (Fachseminar Heintz)
von links: Gaby Heintz (Fachleiterin), Ulrike Schulte, Sonja Bähren, Petra Nieren, Ulrike Schulte, Miriam Köhler, Thorsten Nübold, Miranda Mendel, Mirco Simons, Veronika Mach, Ulrich Maasackers, Ulrich Franzen, Anne Gründken, Frank von den Driesch
Die Mathe-Markt-Leute 2006 (Fachseminar Klück)
von links: Anke Peters, Nadine Riedel, Karl Klück (Fachleiter), Mareile Martin, Ina Müllemeier, Mike Koch
Ein wesentliches Ergebnis des Mathe-Marktes ist die Stärkung der Rolle und des Selbstverständnisses der ehemaligen Lehramtsanwärter, die hier erlebten, dass sie sich aus der Rolle des Auszubildenden heraus entwickeln können. Sie treten nun erfolgreich ihren Fachlehrern als Experten für neue Inhalte, neue Methoden und neue Medien gegenüber. Dies gelingt natürlich nicht immer allen, jedoch vielen Teilnehmern des Fachseminars.
Nicht nur für den auslaufenden Jahrgang war dieses Projekt für die eigene Professionalisierung wichtig. Auswirkungen gab es schon nach dem ersten Mathe-Markt 2002 auf den kommenden neuen Jahrgang, der von Anfang an eine solche Veranstaltung als Ziel seiner eigenen Ausbildung sah. Auch gab es Anregungen für andere Fachseminare, so etwas in ihrem Fach demnächst auch zu machen. Es gab weitere Kontakte zu anderen Fächern und anderen Studienseminaren, in denen Referendare einen neuen, teilweise überraschten Blick für das Fach Mathematik bekamen und es wurden Pläne für künftige Fächer und fachseminarübergreifende Projekte geschmiedet.Der Mathe-Markt ist trotz der Freiwilligkeit der Teilnahme nicht nur zu einem krönenden Abschluss der Fachseminar-Ausbildung geworden, sondern auch erster Baustein eines umfassenden Konzepts von Lehrerbildung. Lehrer-Ausbildung und Lehrer-Fortbildung, bislang strikt getrennt, werden hier verzahnt. Die Lehrerausbildung wird nur vorankommen können, wenn die Ausbilder, die Fachleiter in den Studienseminaren und die Ausbilder an den Schulen, die im Zuge der Reformierungen der OVP zunehmend größeres Gewicht bekommen haben, auch in einen Entwicklungsprozess mit einbezogen werden.
Auf diesem Weg gibt es noch viel zu tun, um dies weiter auszubauen. Ein anderer Schwerpunkt könnte noch die Verbindung mit der ersten Phase der Lehramtsausbildung an der Universität werden, wenn es gelingt, schon die Lehramtsstudenten mit einzubeziehen.
Ich danke meinem ehemaligem Kollegen Jürgen Elschenbroich, der in den ersten Jahren dieses Projekt mit mir gemeinsam geplant und durchgeführt hat und auch nach seinem Wechsel zum Medienzentrum Rheinland diese Idee nicht nur durch Mediensupport, sondern auch durch weitere Beratung stets mitbetreut hat.
Gaby Heintz / 2006