Notebook
in der Lehrerausbildung
Vor einigen Jahren
wäre es sicher noch ein paar Bemerkungen mehr wert gewesen,
inzwischen
hat sich der PC als Arbeitsgerät bei allen durchgesetzt, die den Wert von Speicherung und der schnellen
Verfügbarkeit von
Informationen für einen aktuellen Unterricht schätzen gelernt
haben.
Dabei ist nicht zu vergessen, dass auch ein Unterricht ohne
PC
und ohne Laptop seinen Reiz und auch seine Berechtigung hat.
Aber:
warum nicht das eine tun und das andere nicht lassen.
Das
Notebook hat inzwischen eine fulminante Karriere bei Lehrerinnen und
Lehren gemacht, die den einfachen Transport und die schnelle
Verfügbarkeit eines Rechners als wichtigen Bestandteil ihres
Unterrichts sehen können und sehen wollen. Die inzwischen deutlich
größere Verfügbarkeit auch von Beamern hat zum einen die Preise gedrückt
und andereseits für größere Verbreitung gesorgt. Die
Wahrscheinlichkeit, dass ein Lehrer in seiner Schule zumindestens
auf einen Beamer zurückgreifen kann, ist inzwischen enorm gestiegen.
Die Ausstattung mit Laptops ist allerdings an allen Schulen, die nicht
in
einem Notebookprojekt arbeiten, verbesserungswürdig.
Nach unseren
Erfahrungen in der Ausbildung bringt allerdings der größte Teil der
Auszubildenden ein eigenes Notebook mit. Die Ausbildungsarbeit mit
solchen Geräten wird dadurch natürlich in unschätzbarem Umfang
erleichtert.
Im Studienseminar Neuss haben wir uns auf der
Grundlage einer bereits länger währenden Auseinandersetzung mit einem
proprietären Betriebssystem (Beispiel Seminar-CD unter
www.studienseminare.nrw.de/semimat) und darauf "laufender"
freier Software als auch auf der Basis eines freien Betriebbsystems mit
grundsätzlich freier (quelloffener) Software (Beispiel: "Seminarix"
unter www.seminarix.org) entschieden, ein Pilotprojekt zu
unterstützen, das sich gezielt mit der Ausbildung unter Zuhilfenahme
des Notebooks beschäftigt.
Die bedeutendere Entscheidung hatte
allerdings mit der im Projekt verwendeten Software zu tun, der
Entscheidung für freie Software
Fragt man einen Lehrer, der
nicht Informatik als Fach hat, nach „freier Software in der
Schule“, so ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass er
antwortet: „Freie Software in der Schule? Erstens:
Was
ist das? Und Zweitens: Warum? Es gibt doch funktionierende!“
Die Kenntnisse von und über freie Software sind in vielen Schulen als
minimal zu bezeichnen, Ablehnung des weithin Unbekannten ist die
Regel. Dies variiert überdies nach Schulformen und -stufen. In vielen
Berufsschulen verschärft sich diese Situation auf Grund der direkten
Abhängigkeit von Industrie- und Handelskammern, die ihr Credo
„nur
microsoftrainierte Schüler seien arbeitsmarkttaugliche Schüler"
–
gerne unaufgefordert wiederholen. Kurz: Von Spezialisten
einmal
abgesehen, ist das Thema „freie Software“ in den
Schulen
eigentlich kein Thema. Das hat im Wesentlichen zwei Gründe.
Der ökonomische Geniestreich, Rechner immer nur mit einer
grafischen
Oberfläche zu verkaufen, hat natürlich zahllose User mit eben
dieser
grafischen Oberfläche „angefüttert“.
Selbstverständlich hat
es gute Alternativen vor und neben MS-Windows gegeben, nur wurden sie
damals nie als Bundle mit einem neuen Rechner verkauft, sieht man von
Apple und Mac ab. Diese Verkaufsstrategie hat zu einer Dominanz von
Microsoft-Produkten auf allen Rechnern und eben auch auf denen von
Lehrerinnen und Lehrern geführt. Anschließende
Schulungsmaßahmen
haben sich oftmals als Produktschulungen herausgestellt. Sie
führen
bis heute dazu, dass eine Präentation unter Lehrern wie
selbstverständlich „Powerpoint“ heißt.
Weitere
Beispiele ("Word" statt Textverarbeitung u.a.m.) sind
leicht zu finden. Für das Marketing von Microsoft ist die
Allgegenwart
von MS natürlich das erwünschte Ziel, für den Ausbilder
in Sachen
kritischer Medienbildung insofern nichts als eine Hürde, als im
Alltag
erprobte und bekannte Alternativen weitgehend fehlen. Offizielle
Regierungsvertreter in den verschiedenen Bundesländern (selbst in
Portugal) benennen diese freiwillig eingegangene Abhängigkeit
gerne
„Partnerschaft mit Microsoft“. Manche assoziieren eine
solche Partnerschaft mit dem Verhältnis von Katze und Maus ;-))
In der Folge davon ist
jede Menge an Software entwickelt worden, die – dem Vorbild
nacheifernd – ihre Anwendungen als closed-source
produzierten.
Konsequenterweise finden sich diese zuhauf auch auf den
Rechnern
von Lehrerinnen und Lehrern.
„Never
change a running system“ gilt zweitens als gute Erkenntnis für
alle, die einen funktionierenden Rechner als Arbeitsgerät benötigen und
an der Erhaltung dieses Zustandes hohes Interesse haben. Um von
diesem Grundsatz abzuweichen, bedarf es exzellenter Gründe und guter
Kenntnisse über das, was man hatte und das, was man möglicherweise
gewinnen kann.
Medienkritik als gesellschaftliche Aufgabe,
nicht zuletzt in der Ausbildung von Lehrerinnen und
Lehrern
Unterricht und Erziehung ist eine Aufgabe der
Gesellschaft, Regierung und nachfolgend (!) Verwaltungen setzen sie
(mit Hilfe von Systemadministratoren und
IT-Experten) im
Wählerauftrag in die Wirklichkeit um. Damit ist auch der politische
Rahmen und die Verantwortlichkeit für die Zielsetzungen für
Unterricht und Erziehung dem Spiel von Koalitionen und
parteipolitischen Zielsetzungen zugeordnet. (NB: Die interessante
Nebenfrage, welche Ausbildung und welchen genauen Auftrag
Systemadministratoren und IT-Experten in den öffentlichen Verwaltungen
haben, bedürfte einer kritischen Recherche.)
Nun fordern alle
bundesdeutschen Regierungen seit einigen Jahren die in der Ausbildung
sowohl in der ersten Phase (Universitäten) als auch der zweiten Phase
(Studienseminare) von Lehrerinnen und Lehrern tätigen auf, die jeweils
kommende Lehrergeneration für ihre Arbeit mit den Schülerinnen und
Schülern aktiv und kritisch mit den Möglichkeiten der digitalen Medien
in Beziehung zu setzen. Dies kann und darf natürlich nicht bedeuten,
sich lediglich mit den Angeboten eines Anbieters auseinander zu
setzen. Nur wer Alternativen hat und kennt, kann sich im Zweifelsfall
entscheiden. Eine Lehrerin, ein Lehrer, der keine Alternativen hat, muss sein
Konzept durchbringen, koste es, was es wolle. Den daraus
entstehenden, mitunter jämmerlichen Unterricht kennen wir alle
zur Genüge. Eine kritische mediendidaktische Ausbildung, die versucht,
ohne Alternativen aus zukommen, betreibt bestenfalls intelligente
Anpassung.
Im Klartext bedeutet das, dass kritische
Lehrerausbildung den politischen Auftrag hat, die Auszubildenden in
den Bereichen von offen dokumentierten versus undokumentierten
Dateiformaten aufzuklären. Auch die Lizenzpolitik (wie viele
Schüler
können sich in der Schule benötigte Software legal beschaffen
und sie
in Folge kostenfrei nutzen) muss der kritischen Diskussion offen
stehen, Über offene und geschlossene Software und deren
Entstehungs- und
Verwertungsbedingungen ist zu informieren, Vermarktungspolitik muss
Gegenstand von Überlegungen in der Lehrerausbildung sein, die
Abhängigkeiten politischer Entscheidungen von bestimmten
Interessen
(„Partnerschaft“) ist zu erörtern, kurz, die
Auszubildenden sind als mündige Bürger zu behandeln.
Unter dem Gesichtspunkt der Ausbildung und vor allem
einer Ausbildung auch in medienkritischem Denken geht kein Weg
an einer kritischen Bestandsaufnahme mit den didaktischen
Möglichkeiten dieser wirklich nicht mehr „neuen“
Medien
vorbei.
Und hier ist es definitiv nicht mehr möglich, an der